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Die Sammlung Ludwig besteht aus mehreren tau­send Objek­ten und versam­melt Kunst aus vielen Erdteilen und Epochen. Der Begriff der „Weltkunst“ war Programm. Beginnend mit der Sammlung von Antiken und mittel­alterlichen Bildwerken startete das Engage­ment für die zeitgenös­sische Kunst in den späten 50er Jahren. Zunächst mit Blick auf Deutschland und Frankreich wurde mit dem Ankauf einer Arbeit von Tom Wesselmann 1967 der Sprung in die USA vollzogen. Wiederum drehte sich die Blick­richtung: während die USA und West­europa im Fokus blieben, kamen Ostdeutsch­land, die Sowjet­union, China, Kuba und Latein­amerika hinzu. Massgeblich war ein Kunst­begriff, der nicht zwischen „high“ und „low“, „angewandt“ und „frei“, „West“ und „Ost“ normativ unterschied. Die Sammlung befindet sich heute als Schenkung bzw. Dauerleih­gabe in 26 öffentlichen Museen.

 

 

 

 

Einzelne Werke aus der der Sammlung werden hier exemplarisch näher vorgestellt:

„Cornwall Carrara Line“ von Richard Long in der Ausstellung „Natur betrachten“ im Ludwig Forum, Aachen

Aus zwei stark kontrastierenden Sorten Naturstein bestehend, nimmt das 1988 entstandene Werk „Cornwall Carrara Line“ des britischen Land Art Künstlers Robert Long eine Breite von 1,20 m und eine Länge von 15,16 m ein. In der einen Hälfte des langgezogenen Rechtecks wurden strahlend weiße, aus der Toskana stammende Carrara-Marmor-Kieselsteine mit glatter Oberfläche angeordnet, während dunkler, kantiger Schiefer aus Cornwall die zweite Hälfte einnimmt. Mit ihren Eigenschaften stehen die Steine stellvertretend für die Landschaft, der sie entstammen und vermitteln einen Eindruck dieser.

Mit der Linie wählte der Künstler eine Form, welche er in anderen Werken bereits als temporäre Spur in der Landschaft hinterlassen hatte, indem er etwa Richtungsachsen mehrfach ablief. Die „Cornwall Carrara Line“ erinnert somit an zurückgelegte Wegstrecken und erscheint zudem als Verbindungslinie zwischen zwei Orten. Wie auch Longs in der Natur entstandene Werke bringt es ein starkes Interesse an Naturerfahrung zum Ausdruck.

Im Jahr 2000 wurde die Arbeit durch die Peter und Irene Ludwig Stiftung an das Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen übergeben, wo es derzeit in der Ausstellung „Natur betrachten“ (bis 1.3.2020) gezeigt wird.

 

 

„Geometry in Flowers“ von Miriam Schapiro in der Ausstellung „Pattern and Decoration“ in Budapest

Ihre Textilcollagen aus buntfarbigen, gemusterten Stoffen bezeichnet die Künstlerin Miriam Schapiro (*1923, Toronto; † 2015) selbst als „Femmage“ – eine Verbindung der Worte feminin und Collage. Damit wird auf die Anwendung vorwiegend durch Frauen ausgeführter Techniken wie Quilten oder Nähen angespielt, welche die Künstlerin durch Einbezug in ihr Werk aufwertet. Shapiro gehörte der Pattern & Decoration Bewegung an, welche sich Mitte der 70er Jahre bildete, durch Verwendung kunsthandwerklicher Techniken und Materialien auszeichnete und ein ausgeprägtes Interesse an Ornamentik, Dekoration und damit „Alltagskultur“ zeigte. Mit ihrer auf Formvielheit und Farbe setzenden Kunst schufen die Künstler*innen dieser Bewegung einen Gegenentwurf zur Strenge und Nüchternheit etwa der Minimal Art oder der Konzeptkunst der 60er Jahre.

In diesen Kontext lässt sich auch Schapiros Werk „Geometry in Flowers“ von 1978 einordnen. Die Künstlerin arbeitete hierfür mit Acryl auf Leinwand sowie mit zahlreichen Textilapplikationen, welche auf einer halbrunden „Shaped Canvas“ fächerartig angeordnet sind. Die Textilfragmente in vielfältigen abstrakten und floralen Mustern bilden 24 radiale, in gleichmäßigen Abständen angeordnete Streifen aus. Wie hier griff Schapiro vielfach auf Stoffe von Kleidung oder Tagesdecken zurück, wodurch sie die Grenzen zwischen Kunst und Alltag verschwimmen lässt.

„Geometry in Flowers“ wurde 1979 durch Peter und Irene Ludwig angekauft und ist heute als Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung im Ludwig Forum für internationale Kunst in Aachen beheimatet. Das Werk wird noch bis zum 5. Jan. 2020 in der Ausstellung „Pattern und Decoration“ im Ludwig Múzeum Budapest gezeigt, welche zuvor in Ludwig Forum in Aachen und dem mumok in Wien zu sehen war. Zu der Ausstellung erschien ein Katalog.