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Die Sammlung Ludwig besteht aus mehreren tau­send Objek­ten und versam­melt Kunst aus vielen Erdteilen und Epochen. Der Begriff der „Weltkunst“ war Programm. Beginnend mit der Sammlung von Antiken und mittel­alterlichen Bildwerken startete das Engage­ment für die zeitgenös­sische Kunst in den späten 50er Jahren. Zunächst mit Blick auf Deutschland und Frankreich wurde mit dem Ankauf einer Arbeit von Tom Wesselmann 1967 der Sprung in die USA vollzogen. Wiederum drehte sich die Blick­richtung: während die USA und West­europa im Fokus blieben, kamen Ostdeutsch­land, die Sowjet­union, China, Kuba und Latein­amerika hinzu. Massgeblich war ein Kunst­begriff, der nicht zwischen „high“ und „low“, „angewandt“ und „frei“, „West“ und „Ost“ normativ unterschied. Die Sammlung befindet sich heute als Schenkung bzw. Dauerleih­gabe in 26 öffentlichen Museen.

 

 

Einzelne Werke aus der der Sammlung werden hier exemplarisch näher vorgestellt:

 

"Ohne Titel (Erschießt keine Zivilisten)" von Jenny Holzer und Lady Pink

Sowohl die Kunst Jenny Holzers als auch die von Lady Pink spielt sich vornehmlich im öffentlichen Raum ab. Holzer war mit konzeptuellen Schriftarbeiten bekannt geworden. Sie druckte Wörter und Sinnsprüche („Tuismus“) auf Plakate, Werbetafeln, T-Shirts und Sticker, die im Straßenbild New Yorks angebracht wurden. Die provokativen Arbeiten kreisen vor allem um politische Themen wie Machtstrukturen, Feminismus und Gewalt. Lady Pink war eine der Protagonistinnen der frühen Graffitiszene New Yorks.

In ihren kollaborativen Gemälden, die in den Jahren 1983 bis 1985 entstanden, kombinierten die beiden Künstlerinnen Begriffe aus Holzers Schriftarbeiten mit Spraygemälden von Lady Pink. Die Motive entstanden unter dem Eindruck von Fotoserien, die die Fotojournalistin Susan Meiselas von den Bürgerkriegen in Nicaragua und El Salvador gemacht hatte. Vor einer städtischen Kulisse zeigt das Bild Flammen, einen maskierten Aufständischen und einen Panzer. Holzers eindeutiger Appell zieht sich über die gesamte Bildfläche: „DON’T SHOOT CIVILIANS“ (Erschießt keine Zivillisten).

Peter und Irene Ludwig kauften das Werk 1990 an und übergaben es noch im selben Jahr als Dauerleihgabe an die Neue Galerie in Aachen, das heutige Ludwig Forum für internationale Kunst. Es kann ab Frühjahr 2021 in der Ausstellung „The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR. Sammlung Ludwig“ im Gropius Bau in Berlin betrachtet werden oder schon jetzt im vorab zur Ausstellung erschienenen Katalog.

 

"Ozean" von Ivan Lubennikov

Ivan Lubennikov fing in seinem Werk unterschiedliche Eindrücke großstädtischen Lebens ein. Indem er zahlreiche Perspektiven vereint und mit Größenverhältnissen spielt, erweckt er den Eindruck einer Collage. Eine Frau mit pelzbesetztem Mantel in der linken Bildhälfte trägt ihre Einkäufe in Netzen. Ihrer Wahrnehmung scheinen die verschiedenen Bildelemente zu entspringen: Hochhausfassaden, ein kleiner Ausschnitt des farbenfrohen Gewimmels einer Menschenmasse, Leuchtschrift. Surreal wirkt die Rückenfigur in der Bildmitte, deren Schatten abrupt endet. Sie wendet sich einer abstrahierten Ampel zu, dargestellt durch farbige Kreise. Die Personen der rechten Bildhälfte stehen in keiner Beziehung zueinander und verweisen dadurch auf die Anonymität inmitten der Masse. Aus ihrer Menge sticht eine in Erdtönen gestaltete Arbeiterfigur heraus, die einem Wandmosaik im Stil des Sozialistischen Realismus zu entspringen scheint, welche das Erscheinungsbild sowjetischer Städte mitprägten.

 Stadtbilder sind in Lubennikovs Werk auch insofern von großer Bedeutung, als dass er zu ihrer Gestaltung selbst beitrug. Er wurde mit zahlreichen Wandgemälden und -fresken im öffentlichen Raum beauftragt.

 Das Werk wurde durch Peter und Irene Ludwig über den Kunstexportsalon des Kunstfonds der UdSSR in Moskau angekauft und ging 1989 als Schenkung an das Ludwig Múzeum in Budapest. Die Arbeit wird Teil der Ausstellung „The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR. Sammlung Ludwig“ sein, welche aufgrund von Covid-19 leider auf Frühjahr 2021 verschoben werden musste. Der Katalog zur Ausstellung ist jedoch schon jetzt erhältlich.